Die (un-) endliche Geschichte
1.Kapitel
„Ich müßte eigentlich nur noch den Beiwagenrahmen anschrauben und das Boot fertig
machen, ich müßte nur mehr Zeit haben“. So oder so ähnlich hatte mir Freund Micha immer wieder sein Leid geklagt wenn wir unsere Erlebnisse über das Moppedfahren zum besten
gaben. Als ich dann selber ein Gespann hatte konnte ich die Faszination verstehen die Micha mir immer wieder versucht hatte zu erklären.
So war es natürlich nur eine Frage der Zeit, bis wir mit vereinten Kräften daran gingen Micha’s Gespann fertig zu
machen. Als erstes machten wir die Gummikuh mittels Hilfsrahmen und Schwinge
beiwagentauglich. Danach mußten noch diverse Kleinigkeiten montiert werden und zum
Schluß kam dann noch der Beiwagenrahmen an die Bayrische Edelemme.
Hochmotiviert ging es dann an das selbst umgestrickte Boot. Da das alles nur nach Feierabend und am Wochenende machbar war und dazu noch im
Winter, so zog sich die ganze Angelegenheit über etliche Wochen
hin. Spachteln, Schleifen, Füllern, schleifen, Spachteln ,Schleifen, Füllern,
Schleifen ect. ect.
Als dann im Winter 97 die Temperaturen so stark fielen war an ein Weiterarbeiten nicht mehr zu
denken, die Werkstatt war nicht mehr auf Temperatur zu bringen. So mußten wir eine Pause
einlegen, die aber insgesamt 10Monate dauerte da wir beide auch Beruflich sehr eingespannt waren.
Endlich - Winterzeit-Bastelzeit! Micha hatte zwischenzeitlich noch einen Uralbeiwagen für kleines Geld
bekommen. So bauten wir Micha`s Neuerwerbung an besagte Gummikuh, schlossen die Elektrik an und
widmeten uns wieder der Zugmaschine. Als erstes lackierten wir Tank und
Seitendeckel. Da das ganze Gespann zu einem späteren Zeitpunkt mit dem umgebauten Beiwagen versehen werden soll und dann einheitlich lackiert werden wird,
passten wir die Zugmaschine dem Beiwagen
an, Simply Black. Mit dem Ergebnis war ich zwar nicht so ganz zufrieden, aber irgendwie sah die ganze Sache gut
aus. Die Bremsen bereiteten uns danach einiges an Problemen. Nachdem wir zuerst denn Verteilerblock der
Bremsleitungen (Honda CX500-am Handbremszylinder der BMW war kein Anschluß für den Bremslichtschalter) in Verdacht
hatten, stellte sich heraus, daß die Dichtung eines Schwenksattels undicht war.
Als wir die Manschette am Kolben lösten, kam uns zwar nicht viel, aber immerhin genug Bremsflüssigkeit entgegen um zu wissen, daß die Kolbendichtung defekt
war. Das war übrigens das einzige Teil, das wir machen ließen. Der Arbeitslohn war so
gering (2Aw) das man nicht das Risiko eingehen konnte einen Fehler zu machen.
Der Preis für den Rep.Satz war übrigens so teuer wie für ein gebrauchtes
Teil, ca.100DM. Nachdem wir noch einige Sachen angebaut oder angeschlossen hatten montierten wir noch eine
Scheibe, für die wir uns noch schnell ein paar Halter bauten. In den Beiwagen montierten wir eine 66AH
Batterie (bringt leben ins Euter) und versuchten vorsichtig den Motor zum Leben zu
erwecken. Zuerst ohne Erfolg. Ein Schwimmer im linken Vergaser war wohl noch nicht aus seinem mehrjährigen Winterschlaf
erwacht. Dann wollte der Anlasser nicht so recht. Also Zündkerzen raus und den Anlasser erst mal
laufen lassen. Und siehe da der Boxer gab die ersten Lebenszeichen von sich, als Kerzen und Stecker wieder montiert
waren. In solchen Momenten weiß man das es sich gelohnt hat soviel Zeit zu investieren,
da hat man dann so ein Kribbeln im Bauch...
2.Kapitel
Nachdem Micha`s Gespann ohne größere Probleme seit einigen Monaten läuft,
setzen die ersten Urlaubspläne den Umbau auf einen größeren Beiwagen vorraus.
Diesmal sind wir aber in Zeitdruck da der Urlaubstermin bereits feststeht. Die restlichen Vorarbeiten und auch die Lackierarbeiten macht ein Ortsansässiger
Kfz-Betrieb. Die Kosten für die Lackierung sind so günstig(ca.600 DM, Motorrad und
Beiwagen), das man Kleine Wolkenbildung verschmerzen kann. Die Beiwagenscheibe aus Makralon macht eine ortsansässige Firma nachdem ein Rahmen aus 10mm Stahlrohr selbst angefertigt wurde und diese mittels Schablone abgegeben
wurde. Die letzten Feinarbeiten wurden allerdings von uns selbst vorgenommen und mittels eines etwas breiteren Dichtungsprofil bekamen wir alle Radien in den Griff.
Makralon läßt sich mit einem Eisenblatt auf der Flex zwar gut bearbeiten, 600DM lassen aber auch den kühnsten Flexartisten mit einer gewissen Vorsicht zu Werke
gehen. Beim Bohren ist ebenfalls Vorsicht geboten, da der HSS-Bohrer im vorderen Schneidenbereich senkrecht zur Mittelachse abgeschliffen werden muß.
So vermeidet man das sich der Bohrer durch daß Material zieht. Das der komplette große Beiwagen am Motorrad schon montiert war versteht sich von
selbst. Beim Ausrichten achteten wir darauf das zu einem späteren Zeitpunkt noch die gewünschten Koffer zwischen Motorrad und Beiwagen montiert werden können.
Ebenso mußten wir darauf achten das die Beiwagenscheibe bei eingeklappten Spiegel der mittlerweile montierten RT-Verkleidung sich noch nach vorne klappen ließ.
Die benötigten Dämpfergummis und sonstiges Keder bekam Micha in Düsseldorf.
Die Heckklappe wurde aus Blech gefertigt und mit einem Unterrahmen aus Flachstahl verstärkt,
da zusätzlich ein Gepäckträger auf den Kofferraumdeckel sollte. Die Autobatterie wanderte in den
Beiwagen, gut geschützt in einem Plastikbehältnis. Probleme bereitete das
Beiwagenfederbein, das etwas zu lasch war. Eine erhöhte Federvorspannung schuf hier nur bedingt Abhilfe.
Um das ganze Gespann einfacher Lenken zu können montierte Micha den Beiwagenbremshebel
so, das dieser einzeln bedient werden kann, nichts für Schuhgröße 46.
Dann war da noch der sonstige Kleinkram, den man nicht als so Zeitaufwendig einschätzt,
der aber jede menge Zeit in Anspruch nimmt - Elektrisch, Teppich, Verdeck und die vielen Kleinigkeiten auf die man nicht verzichten kann.
Nun wird sich sicherlich der ein oder andere Fragen was daran so toll ist sich im Winter in einen kalten Raum zu
begeben, an einer / 7 mit Ural Beiwagen herum zuschrauben, sich literweise Kaffe in den Kopf zu kippen und dazu auch noch bis spät in die Nacht hinein.
Naja, so ein Motorrad das man selbst aufgebaut, wird mit der Zeit ein Stück von einem selbst. Man muß sich mit Problemen beschäftigen die nicht alltäglich
sind, muß Improvisieren aber auch Kreativ sein. Man muß sich mit der Technik und der
Tücke im Detail auseinander setzen, kurz, man ist gefordert und hat die möglich sich selbst ein Stück weit zu verwirklichen. Wenn ich ehrlich
bin, so ganz ohne die Schrauberei wäre ich nicht glücklich, für mich ist Technik immer wieder
faszinierend.
Und ohne unsere Frauen, die unsere Begeisterung teilen, wäre vieles auch nicht möglich.
PS.
Micha`s Q ging anstandslos durch den TÜV !