Luxemburg

 

Freitagnachmittag, schon deutlich nach drei – ich muß hier raus! Ich hab die Nase gestrichen voll. Voll von nörgelnden Kunden, heißen Motoren und einem ach so gestreßten Chef. Ich will Kurven und Landschaft , Essen und Trinken, den Fahrtwind spüren während die Sonne angenehm wärmend vom Himmel scheint.


Da kommt mir ein Wochendtrip nach Luxemburg gerade recht. Der kleine Zwergstaat im Herzen Europa`s hat einfach alles was das Herz des Bikers begehrt. Wer sich neben Kurvenhatz und Schräglage auch noch für die Geschichte interessiert, der findet sogar noch etwas mehr als märchenhafte Wälder und Täler. Die verschlungenen Straßen und Pfade dieses Landes gehören zweifelsohne in die Kategorie „aller erste Sahne“.Da es nur 2-3 Stunden bis Luxemburg sind bin ich rechtzeitig zum Dinner mitten in diesem Kleinstaat. Dank dem Schengener Abkommen gehören Schlagbäume der Vergangenheit an und dem sich endlos schlängelnden Asphaltband folgend, fahre ich in die untergehende Frühlingssonne - das muß Freiheit sein !

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In Clervaux,der „Hauptstadt des Nordens“, bekomme ich im „Hotel du Parc“ für die Nacht ein Zimmer. Als ich beim Frühstück das herrliche Panorama genieße war es mir so, als hätte ich mein Mopped rufen gehört: “Laß uns los, nun mach schon“. Wer kann da widerstehen? Durch das Tal der Clerve geht es über tief im Wald versunkene Wege. Ich kreuze und quere von einem Weg auf den nächsten und genieße einen nicht enden wollenden Kurventaumel, der ab und zu nur durch Straßenausbesserungen des brüchigen Asphalt etwas beeinträchtigt wird. Bei Kantenbach treffe ich auf den Fluß Wiltz. Letzteren folge ich bis zum gleichnamigen Ort. Einige Kilometer südlich stoße ich auf die Sure`. Der nur 60 Km lange Fluß trennt den landschaftlich genutzten Norden vom geschäftigen Zentrum und dem industriellen Süden Luxemburgs. Zudem ist er so etwas wie das touristische Herz der Region. Aufgestaut bildet die Sure`auf 19 Km länge den Obersauer-Stausee, an dem sich Angler, Surfer und viele andere Erholungssuchende einfinden um das frühsommerliche Hoch zu genießen. Nicht weit entfernt lädt das kleine Städtchen Esch zur Rast ein. Von hier aus will ich der Sure`folgen. Das angedachte Unterfangen nimmt allerdings einen etwas anderen Verlauf als geplant. Denn anstatt dem Fluß zu folgen geht die Uferstraße erst mal hinauf zu den Talkuppen, die einen phantastischen Blick ins Landesinnere erlauben. Erst viel später geht es auf beschaulichen Wegen wieder hinab ins Tal. Wenn einem der Streckenverlauf in der reichlich zugebauten Gegend zwischen Ettelbruch und Diekirch entläßt, ist das fast wie ein Kulturschock, aber nur für kurze Zeit. Schon nach wenigen Kilometern empfängt uns Vianden mit seiner mittelalterlichen Burg. Auf dem Weg hinab ins Tal werden wir von der Burg empfangen und sie begleitet uns auf unseren Weg für einige Minuten. Nach größeren Renovierungsarbeiten ist auf ihr wieder ein reger Besucherstrom anzutreffen. Die wundervoll renovierte Burg und der eigentliche Ortskern von Vianden lassen viel vom Treiben vergangener Tage vermuten. Sanft plätschernd gleitet hier die Our durch den Ort.

Nach einer kurzen Rast folge ich dem Fluß ins südlich verlaufende Tal, aber schon nach einigen Kilometern verliert sich die Our in der Sure`, der ich dann ab Reisdorf für einige Kilometer folge. Ich zweige ab ins Mullertal und gleich noch einmal in die „Luxemburgische Schweiz“. Die felsigen Schluchten um Berdorf herum waren immer schon sagenumwogen. Der dichte Wald in dieser Gegend bewirkt ein übriges, um in der Phantasie die Gedanken an Elfen, Sagengestalten und Helden zu beflügeln. Das Gefühl in einem Zauberwald zu sein geht mir nicht aus dem Kopf....Bei Echternach hat die Sure`mich wieder und ich folge ihr, bis sie bei Wasserbillig in die Mosel mündet. Da die Sonne schon sehr tief steht und ich noch eine Unterkunft suchen muß,entschließe ich mich über Betzdorf und Senningen nach Luxemburg-Stadt zufahren. Im Vorort Dommeldange quartiere ich mich in einem vornehmen Hotel ein. In der Woche durch Geschäftsreisende und gute Auslastung zu nicht bezahlbaren Konditionen vermietet, sind die Zimmer der meisten Nobelherbergen an Wochenenden bis zu 70% billiger, da die Belegung der Zimmer nur zu einem Bruchteil gewährleistet ist. Nun ja,man gönnt sich ja sonst nichts.! 

Ob im Wein die Wahrheit liegt kann ich leider als „Motorradfahrender“ nicht beantworten als ich am nächsten Tag in südlicher Richtung der Weinstraße folge. Von den Höhen der rebenbehangenen Hügel geht es hinab ins „Europadorf“ Schengen. Hier ist das schon lange Wirklichkeit geworden wovon unsere Politiker wohl noch Jahre träumen werden. So ist und bleibt Luxemburg ein Paradebeispiel für einen Vielvölkerstaat in dem ein friedliches Miteinander schon seit Jahrzehnten gelebt wird. Von Schengen bis Remich führt der Weg durch kleine verschlafene Winzerdörfer, die ebenso so urtümlich wie verträumt sind. Ein krasser Gegensatz dazu ist Remich. Es stellt gleichsam den wirtschaftlichen wie touristischen Mittelpunkt der Weinstraße dar. Tagesausflügler sowie ganze Busladungen fallen massenweise in die Stadt ein, nichts wie weg hier! Über kleine Sträßchen erreiche ich am späten Nachmittag den Ort Grevenmacher und damit schon fast das Ende meiner Tour. Ich folge der Mosel bis Wasserbillig, tanke dort noch einmal sehr günstig und fahre über Trier quer durch die Eifel Richtung Heimat. In einer unverschämt billigen, aber sehr guten Eifelgaststätte lasse ich den Tag mit einem vorzüglichen „Dinner for one“ ausklingen. Schade eigentlich, daß das Wochenende so schnell vorbei war.

©Tommes